[ Buchtipp von Literaturhaus Wien ] Klaus Zeyringer über Kathrin Röggla:
"Abrauschen" ist der Titel des 1997 von Kathrin Röggla vorgelegten kurzen Romanes. Eine junge Frau lebt mit ihrem Kind - auch die Möglichkeit einer Entführung wird angespielt - in Berlin, will in Salzburg eine Wohnung verkaufen, begibt sich auf (Gedanken-)Flucht und kehrt schließlich nach Berlin zurück. In kurzen Sequenzen baut ein Ich Eindrücke aus Stadtgeflimmer und einer TV-Computer-Internet-Handy-Welt zusammen. Kathrin Röggla montiert Phrasen und läßt Jargonteile ineinander greifen; eine schnellebige "welt nach dem kopiervorgang" findet sich so in eine Sprache nach dem Kopiervorgang gesetzt. In ihrem 2004 erschienenen Roman "wir schlafen nicht" läßt Röggla ökonomische Existenzen unserer Tage sprechen, indem sie den Jargon dieser Adepten der New Economy montiert, die die Freuden des Schlafes nicht mehr kennen und deren Träume monetär angelegt sind. Diese start-up-Sklaven, die Röggla interviewt hat, sind auch die Figuren ihres im Herbst 2004 in Graz uraufgeführten Stückes "Junk Space". Die Situation, das ist ein Seminar für Manager, die unter Flugangst leiden, der Ort ist der Titel. Junk Space ist ein Nicht-Ort, ohne Funktion, ohne Bedeutung - vor einer Rolltreppe zum Beispiel. Der Jargon verdeckt eine harte Realität: man spricht von "Personalverdichtung", und das heißt "Entlassungen". In ihrem Werk zeigt Kathrin Röggla die Brüche in den Beziehungen zwischen Unternehmen und Menschen, zwischen Gesellschaft und Individuum.
[ Info ] Röggla, Kathrin: Abrauschen.
Residenz,
Salzburg, Wien 1997
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ISBN: 3-596-15041-8.