[ Buchtipp von Literaturhaus Wien ] Klaus Zeyringer über Ferdinand Schmatz
Hinter dem Berg Hochwechsel lebt ein Dichter-Ich aus der Stadt, zwischen Dorfbewohnern und der adeligen Herrschaft, bei Frau und Dichter-Freund, zwischen "oben" und "unten" - um schließlich mit der Freundin nach "unten", in das Land "hinter den Burgen" zu ziehen. Das ist der narrative Rahmen für die Annäherung des Dichters Ferdinand Schmatz an eine neue Schreibform der Prosa in seinem Roman Portierisch (2001). Der Wechsel auf den verschiedenen Ebenen (gestern - heute, innen - außen, Kopf - Körper, Poesie - Kalauer, fest - flottierend usw.) ist als literarisches Prinzip selbst thematisiert und geht in einer sinnlichen, bisweilen melancholisch-ironischen Erzählung auf, die sich auch an der Kritik gängiger Muster übt: "ich kann den Zweifel an der Sprache schon nicht mehr hören, zitiere ich Courier von irgendwo". Dieser Courier, der amerikanische Gesprächspartner, verweist u.a. auf einen Schrifttyp, auf die Lust am gefinkelt Zusammengesetzten. Das Benennen und das Schreiben selbst sind von den Roman-Verschiebungen erfaßt: sozialer, sprachlicher und geographischer Wechsel, leicht abgeänderte Ortsnamen, "Wort-Wechsel". Portierisch, an der Schwelle, handelt von problematisierten Bewußtseins-Zersplitterungen - und dabei spielen gerade die von Musil genannten Wörtchen der Erzählbarkeit ("als", "während") eine Scharnierrolle.
[ Info ] Schmatz, Ferdinand: Portierisch.
Haymon,
Innsbruck 2001
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ISBN: 3-85218-362-6.