[ Buchtipp von Literaturhaus Wien ] Klaus Zeyringer über Werner Kofler
Die Prosa von Werner Kofler ist ein wütender Reigen der Möglichkeit, Wirklichkeiten auszuspielen. Im Band Herbst, Freiheit (1994) ruft ein Ich-Erzähler plötzlich im Thomas-Bernhard-Duktus aus: "die Wirklichkeit: erfunden, erstunken und erlogen, mehr noch: erstunken und erlogen durch und durch!" "Zu wem spreche ich?" ist eine wiederholte Frage in dem "Nachtstück" Herbst, Freiheit, in dem die Zeitebenen verschwimmen, das Erzählen stockt, um dann neu anzusetzen. Das Ich tritt hier in verschiedenen, markierten Rollen auf: "ICH ALS ER. Schwierige Rolle. Ich als er, neben ihr"; "ich verstand ihn, mich als ihn, auch nicht so genau"; dann umgedreht "er, als ich"; weiters "Ich als stellvertretender Hüttenwirt"; doppelt gewandelt schließlich "ich als O. W. Fischer im Film Axel Munthe, der Arzt von San Michele, wie finden Sie mich? Nicht gut? Ja, ich halte mich auch für eine Fehlbesetzung".
Realitätspartikel und Medienbilder holt Werner Kofler als vorgebliche Elemente einer "Unmittelbarkeit" in den literarischen Text, sichert diesen jedoch andererseits in vielfältiger, kunstvoller Brechung der Erzählhaltung gegen jeglichen Unmittelbarkeits-Anspruch ab. Die Aufsplitterung in verschiedene Stimmen erschwert eine Festlegung; zentrale Fragen sind immer wieder: Wer spricht? Zu wem spreche ich? Was stimmt?
[ Info ] Kofler, Werner: Herbst, Freiheit.
Rowohlt,
Reinbek bei Hamburg 1994
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ISBN: 3-498-03481-2.