[ Buchtipp von Literaturhaus Wien ] Klaus Zeyringer über Dimitri Dinev
Eine packende Erzählung aus Südosteuropa bietet Dimitré Dinev, der 1990 aus Bulgarien nach Österreich kam und auf Deutsch schreibt, in seinem 2003 publizierten Roman Engelszungen. Aus dem Spielsalon Casablanca im Wiener Prater schickt ein hilfreicher Pole, einen nach dem anderen, zwei verzweifelte Bulgaren auf den Wiener Zentralfriedhof zum Grab des Serben Miro. Dieser "Engel mit dem Handy" sei der Einzige, der Zuwanderer aus den mißlichsten Lagen helfen könne. Dort treffen Svetljo und Iskren aufeinander. Ihre Lebensgeschichten und ihre Familien freilich sind sich schon begegnet, in die Quere gekommen, und zwar in Plovdiv. Ihre Herkunft schildert Dinev im Rückblick, im weiten und tragfähigen Rahmen der Friedhofsszene, als zwei parallele Familiensagas, die sich mehrmals in den Hauptsträngen oder in kleinsten Nebenhandlungen kreuzen. Er erzählt zugleich eine Geschichte Bulgariens nach dem Ersten Weltkrieg und führt in eine nahe, ferne Welt, in der auch die Einbildungskraft andere Töne kennt.
[ Info ] Dinev, Dimitri: Engelszungen.
Deuticke,
Wien 2003
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ISBN: 3-216-30705-0.