[ Buchtipp von Literaturhaus Wien ] Klaus Zeyringer über Maja Haderlap
Die Lyrik der slowenisch und deutsch schreibenden Maja Haderlap zeichnet sich durch die Eindringlichkeit ihrer knappen und genauen Bilder aus. Ihre Gedichte. Pesmi. Poems (1998) öffnen und schließen andere Fenster ins Verstehen, vor allem von Identitäts-Möglichkeiten, von Fremdheiten und Eigenheiten.
einmal im jahr,
wenn lesezeichen
aus meinen büchern fallen
beginnt im Gedicht was war die jährliche Rückkehr in "mein dorf". Die Welt der Lektüre hat der ländlichen die Schärfe, nicht aber ihre Schatten genommen: "auf aufgeschlagenen seiten / vergilben geschichten, die zu legenden werden / und ihre waffen abgelegt haben". Zwischendurch kann das weibliche Ich in die bäuerliche Verkleidung von früher schlüpfen, Namen und "schattengeschichten" ausprobieren. Den "aufgeschlagenen seiten" der 2. Strophe entspricht in der abschließenden 4. die Furche des Steines, "der mich erinnern soll, woher ich kam". Immer wieder läßt Maja Haderlap das Ich Zufluchtsorte, Unterschlupf suchen, Bilder der Spaltung notieren - eine präzise Poesie der Übergänge.
[ Info ] Haderlap, Maja: Gedichte Pesmi Poems.
Drava Verlag / Zaloba Drava,
Klagenfurt / Celovec 1998
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ISBN: -85435-282-4.