[ Buchtipp von Literaturhaus Wien ] Klaus Zeyringer über Irene Prugger
Auf das Fremde in der Person eines türkischen Kaufmannes trifft bei einem Tiroler Zeltfest die Aushilfskellnerin Lisa, die gerade ihre Schwangerschaft bestätigt findet, in der Kurzgeschichte Verliebte Tiroler von Irene Prugger. Nackte Helden heißt der 2003 erschienene Band mit 15 Erzählungen; der Untertitel "und andere Geschichten von Frauen" verweist auf eine durchgehende Perspektive: Die diversen weiblichen Sichtweisen entkleiden die Herren Helden ihrer Pomp- und Protzkostüme. Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern bringen Desillusion, Kälte, wenn nicht Haß. Lisa wagt es schließlich nicht, sich zu dem Türken hingezogen zu fühlen. Was habe er ihr anderes zu bieten als ein kleines Lebensmittelgeschäft? "Große kulturelle Unterschiede", meint sie und ist einerseits bereit, der Frauenkette von Müttern und Großmüttern zu glauben, "die Liebe als ein stets diszipliniertes Bemühen um Gemeinsamkeiten sahen". Andererseits läßt sie in einer Version am Ende des Zeltfestes den Türken auf sein Dorf zugehen: "Sie sah ihn, wie konnte es auch anders sein, dieses Dorf verfehlen und tausendundeine Nacht lang durch eine Wüste wandern."
Der Mythos anders erzählt - Odysseus wäre nicht ausgefahren: In Irene Pruggers äußerst konzentrierter, kurzer Erzählung Heimkehr gibt sich die Frau, Penelope, die Schuld am "großen Versäumnis"; der Held lebt im Möglichkeitssinn. Diese Szene einer Ehe stellt das Bleiben, diese Art der Präsenz, als das Schreckliche dar. Was gäbe nicht Penelope für "die süß schmerzende Sehnsucht, die ihr vorenthalten wurde, weil er geblieben ist."
[ Info ] Prugger, Irene: Nackte Helden und andere Geschichten von Frauen.
Skarabæus Verlag,
Innsbruck 2003
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ISBN: 3-7082-3122-8.