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Bach, Tamara

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[ Buchtipp von ] Silvester müsste was Besonderes sein. Da sind sich Zanker, Bowie, Mono und Fienchen einig. Wie es genau aussehen sollte, davon hat jeder seine eigene Vorstellung, aber auf jeden Fall sollte das neue Jahr nicht so schneematschig anfangen, wie das alte aufgehört hat. Das tut es dann aber doch. Und die Freunde verbringen die letzte Ferienwoche, wie sie es immer tun: Abhauen, abhängen, abstürzen. Dabei sind alle vier auf der Suche nach dem Besonderen, dem ganz Großen. Das schweißt sie zusammen, doch in Wahrheit sind sie sich nicht so vertraut, wie sie glauben.
Das Buch hat alles, was ein Teenagerroman braucht: Unerfüllte Liebe, Stress mit den Eltern, mit der Schule, die unvermeidlichen nervigen Geschwister. „Eine Verkettung unglücklicher Zustände“, wie Mono es nennt. 350 Seiten sind dafür ganz schön viel Papier, denkt man. Doch die Handlung ist auch gar nicht das Wesentliche. Hauptakteur in diesem Buch ist die Sprache. Große Emotionen fängt die Autorin ebenso gekonnt ein wie spontane Gefühlsausbrüche. Die Dialoge sitzen perfekt, und in inneren Monologen kommt Tamara Bach der wunden Teenagerseele so nah, wie man ihr nur kommen kann. Nie wird die Autorin oberflächlich oder gar kitschig, selbst wenn die Figuren mitunter in Selbstmitleid baden. Das ist mal höchst amüsant, mal traurig zu lesen, aber immer intensiv und spannend.
Die Handlung wird größtenteils chronologisch erzählt, und zwar minutiös. Keine Aktion ist zu alltäglich, jeder T-Shirt-Wechsel, jede verdrückte Protion Fruitloops finden ihren Weg ins Buch. Im Leben eines Teenagers spielt eben wirklich alles eine Rolle, das kleinste Detail kann entscheiden über Glück und Unglück. Zufall und Gleichzeitigkeit bestimmen die Handlung. Wege kreuzen sich, mal gewollt, mal zufällig, um sich dann wieder voneinander fortzubewegen. Eingeschobene Rückblenden und Traumsequenzen durchbrechen das strenge Schema und geben häppchenweise Informationen frei, die die Charaktere noch plastischer, noch authentischer erscheinen lassen.
 „Und zum Einschlafen hatten sie sich nie „Gute Nacht“ gesagt, nicht „Schlaf schön“, sondern immer „Bis gleich“, vielleicht sie zuerst, vielleicht er, und er war klein und hatte gekichert, wie kleine  Jungen kichern. Hatte sie also nie „Gute Nacht“ zu ihm gesagt, weil der Schlaf die Nacht nur zu einem Moment der Abwesenheit degradiert, also bis gleich. Und dann hier und jetzt an ihrem Bett, wie sie da lag. War ja nicht mal ihr Bett. Und dass sie den Tag nicht überleben würde.“ Das sind Erfahrungen, die Bowie niemals mit seiner Clique teilen könnte. Er ist unendlich einsam in seiner Trauer, dem Nichtverstehenkönnen und der Verachtung für seinen Vater, der viel zu früh wieder ein normales Leben führt. So bleibt trotz aller Nähe doch jeder in der Clique mit seinen Sorgen allein: Mono, dessen Eltern kurz vor dem Bankrott stehen, Zanker, der vor seinem pöbelnden Vater flieht, und Fienchen, die endlich als Mädchen wahrgenommen werden will und nicht nur als Kumpel.
Ganz leise und kaum merklich ändern sich die Dinge, und mit ihnen die Figuren. Und so, wie Fienchen immer gerade dann ihrer großen Liebe Zanker begegnet, wenn sie ungekämmt und in Schlabberklamotten rumläuft, kommt auch der Höhepunkt der Ferien und damit der Geschichte, wenn man schon nicht mehr damit rechnet - und natürlich ganz anders, als die vier es sich vorgestellt hatten.

[ Lieblingszitat ] „Natalie duftet zu ihm rüber, ganz weichsüßblond. … Natalie erzählt ihrem Glas, dass das bisher ein Scheißabend war. Das Glas nickt stumm, wie nur Gläser nicken können, das Glas weiß also, warum das ein Scheißabend war, und auch, dass es gut ist, dass Mono hier ist, obwohl er immer noch nicht weiß, wozu, aber das ist auch egal.“

[ Info ] Bach, Tamara: Jetzt ist hier. (Sprache d. Buchs: Deutsch) Oetinger, 2007 .


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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