[ Buchtipp von ] Den wilden, polemischen, aber in seinen Rundumschlägen oftmals schmerzhaft gut zielenden Autor der Bücher "Kanaksprak" und "Abschaum", als den wir Zaimoglu in den neunziger Jahren kennengelernt haben, den brauchen wir in seinen Büchern schon lange nicht mehr zu suchen. Das ist zunächst auch gut so: Die Strategie, sich der Ablage im Fach "Migrationsliteratur" rechtzeitig zu entziehen, bevor es gemütlich wird, zeugt von politischer Intelligenz, und die Entscheidung, über ein traditionell deutsches Thema - die romantische Liebe - zu schreiben, wäre auch literarisch klug. Diese strategische Wertschätzung von Zaimoglus Gestus - "Ich bin ein deutscher Schriftsteller!" sagte er in einem Interview - ist leider aber auch schon das einzig Positive, das ich "Liebesbrand" abgewinnen konnte.
Denn der Liebesbrand - ach wär er's doch! - beschränkt sich auf ein mit viel erzählerischem Aufwand am Glimmen gehaltenes Kaminfeuerchen, von Pathos und Herzklopfen keine Spur, vielmehr dient die vorgebliche große Liebe auf den ersten Blick bloß als Vorwand für langatmige und -weilige Umwege durch verschiedene mitteleuropäische Städte, inklusive unmotivierter Reisebekanntschaften, reizloser Affären und reichlich konstruierter Gespräche.
Zu wortreich und uncool für ein Roadmovie, zu b**** und klischeehaft für ein Panoptikum, reiht "Liebesbrand" Episode an Eipsode, verbunden einzig durch den ziemlich dünnen Faden der Suche nach der fantasierten Geliebten. Und ist diese einmal gefunden, kommt es zwar zu einer Liebesnacht, die aber auch weníg Brennendes an sich hat, was die Dame auch folgerichtig dazu bringt, sich wieder zu verabschieden. Und weiter holpert die Suche, die Reise, der Roman, dessen Ausgang hier nicht verraten werden soll.
Nur soviel: Am Ende soll mit höchst zweifelhaften Mitteln alles an Pathos wettgemacht werden, was die Liebe vermissen ließ - ob es dieser versöhnliche Schluß war, der Zaimoglu die CORINE, den Belletristikpreis des ZEITVerlags eingebracht hat?
Ich jedenfalls rate jedem, der sich für romantische Liebe interessiert, zur Lektüre eines der heitersten, raffiniertesten und nebenbei bemerkt erotischsten Büchlein der deutschen Literatur, nämlich Friedrich Schlegels "Lucinde", die noch nach über 200 Jahren mehr Feuer hat als Zaimoglus müder Pflichtübung in Sachen Liebe ...
[ Info ] Zaimoglu, Feridun: Liebesbrand.
(original language: deutsch)
Kiegenheuer & WItsch,
Köln, 2008
(2008).
ISBN: 978-3-462-03969-6.