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[ Buchtipp von Schiller ] „Gebt mir Märchen und Rittergeschichten“, soll Schiller noch kurz vor seinem Tod 1805 gesagt haben. „Da liegt doch der Stoff zu allem Schönen und Grossen.“ Das mag auch eine Reminiszenz an seinen damals grössten Bühnenerfolg darstellen, die «Jungfrau von Orleans» (1801). Er hatte hier mit dem historischen Stoff der Jeanne d’Arc (ca. 1411–1431) aus dem hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England offensichtlich die Vorliebe der Zeitgenossen für legendenhafte, mittelalterliche Stoffe bestens getroffen. Und gerade, indem er die schrecklich schöne Amazone ihrer realen Geschichte mit der Verbrennung als Hexe in Rouen entrückt, wird sie zur rührend patriotischen Identifikationsfigur, die zwischen Pflichterfüllung und Emotionen tragisch schwankt. Obwohl sie gegen das von Gott auferlegte Liebesverbot verstösst und in die Hand ihrer Feinde gerät, gelingt ihr am Schluss noch einmal die Rettung Frankreichs in einer Entscheidungsschlacht, in der sie allerdings selber auch umkommt. „Dieses Stück floss aus dem Herzen und zu dem Herzen soll es auch sprechen“, schreibt Schiller. Entsprechend beredt wie packend sind romantisch, zauberhafte Dramaturgie, die grossen festlichen Aufzüge und kriegerischen Massenszenen, sowie die pathetische, abwechslungsreich modulierte Sprache in Blankversen. Im Nachhinein ist allerdings vieles von diesem „romantischen Unsinn“ (George Bernard Shaw) nur allzu häufig verspottet worden. Es braucht da schon wieder ein eigenes, antikapitalistisches Pathos wie in Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe» (1932), damit der geradezu mythische, martialische Charakter wieder ernsthaft aufscheint: „Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht, und/Es helfen nur Menschen, wo Menschen sind.“
[ Lieblingszitat ] Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. [Talbot, III/6]
[ Info ] Schiller, Friedrich: Die Jungfrau von Orleans.
Eine romantische Tragödie.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
Philipp Reclam jun.,
ISBN: 978 3 15 000047 2.
Genre: Theaterstück
Stichworte: Vision, Romantisch, Ritter, Religion, Philipp der Gute, Legende, Karl VII. v. Frankreich, Idylle, Agnes Sorel, Aberglauben, 100-jähriger Krieg
Stil: pathetisch, romantisch
Sprachen (Buchtipp): Deutsch