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Wilhelm Tell

Schauspiel

Schiller, Friedrich

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[ Buchtipp von Schiller ] In böser Erinnerung blieb einigen der 17. März 1804, die Uraufführung von Schillers «Wilhelm Tell» in Weimar. „Ich dachte, die Hitze würde mich umbringen“, schreibt eine Weimarer Hofdame. Denn ins kleine Hoftheater drängten sich über 700 Zuschauer zur fünfeinhalbstündigen Aufführung des im 13. Jahrhundert spielenden Innerschweizer Befreiungsdramas. Goethes feierliche Regie der Massenszenen mit Laien langweilte nur. Und was die 17 Profi-Schauspieler deklamierten, blieb vielen unverständlich. Für Nicht-Schweizer hatte Schiller sein Stück mit mühsam zusammengetragenen Details eindeutig überfrachtet, welche die legendäre wie gewaltvolle Auflehnung gegen die habsburgische Fremdherrschaft samt Tyrannenmord an Vogt Gessler legitimieren sollten. Selbst der anwesende Berner Theaterkritiker Johann Rudolf Wyss klagte: „Gelesen dürfte das Stück vielleicht mehr noch als in der Aufführung anziehen.“ Schliesslich verpatzte der Tell-Darsteller seinen „Durch diese hohle Gasse muss er kommen“-Monolog. Kein Wunder, den Text hatte er nur wenige Tage vor der Uraufführung bekommen. Doch das war im von Goethe geleiteten Theater üblich: möglichst wenig Proben, so dass die Schauspieler erst nach einigen Aufführungen richtig aufdrehen konnten. Entsprechend musste das Publikum mehrere Vorstellungen besuchen und jeweils wieder Eintritt („Legegeld“) bezahlen. Einziger Lichtblick für das schwitzende Publikum: das etwas steife Bühnenbild und die „kostengünstigen“ Bauernkostüme des Zürcher Malers Heinrich Meyer. Sie liessen einen wenigstens von kühlen Schweizer Alpen und Seen träumen. Derart idyllisch gestimmt, wurde Naives gerührt beklatscht. So etwa der würdevolle alte Attinghausen oder die Apfelschuss-Szene. Letztere machte eine zehnjährige Debütantin als Tells Sohn Walter zur eigentlichen „Sensation“ des Abends. Goethe umhalste sie gleich nach der Vorstellung, während der kränkelnde Schiller ihr über die Locken strich und schwäbelnd lobte: „So ischt’s recht, main Mädle! So musst Du’s mache.“ Anschliessend musste er sich gleich ans Kürzen für die weiteren ausverkauften Vorstellungen machen. Unterdessen tröstete Goethes 73-jährige Mutter ihren Sohn, er und Schiller sollten den „Schnick-Schnack“ der Kritik ruhig ignorieren: „Fahrt in diesem guten Verhalten immer fort – eure Werke bleiben für die Ewigkeit, Punktum!“

[ Lieblingszitat ] Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht:/Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,/Wenn unerträglich wird die Last - greift er/Hinauf getrosten Mutes in den Himmel/Und holt herunter seine ew'gen Rechte,/Die droben hangen unveräusserlich/Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst -/Der alte Urstand der Natur kehrt wieder,/Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht -/Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr/Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben -/Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen/Gegen Gewalt - Wir stehn vor unser Land,/Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder! [Stauffacher, II/2]

[ Info ] Schiller, Friedrich: Wilhelm Tell. Schauspiel. (Sprache d. Buchs: Deutsch) Philipp Reclam jun., ISBN: 978 3 15 000012 0.


Dieses Buch ist ...

Genre: Theaterstück
Stichworte: Volk, Vierwaldstättersee, Tyrannenmord, Rütlischwur, Innerschweiz, Hohle Gasse, Freiheit, Burgesturm, Bauer, 14. Jahrhundert
Stil: pathetisch, Sprichworte
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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Audio/Video

Heinz Erhardt, "Der Apfelschuss"

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Tell (Hanns Stein) versus Gessler (Fritz Benscher), Auszug aus Akt III, Szene 3 (mit freundlicher Genehmigung durch die Deutsche Grammophon)

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