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[ Buchtipp von ] „Gott“, stöhnt der Erzähler in Robert Walsers (1878–1956) der «Räuber»-Roman, „wie sich diese Figürchen da mit Ermunterung ihres Autors wichtig nahmen.“ In der Tat hat er es nicht ganz leicht, nur schon das Leben der mittellosen Hauptfigur schlüssig nachzuerzählen. Dieser Räuber veruntreut als Nichtsnutz die Monatsgelder seines Gönners und verschüchtert die „schwanenhaften“ Mädchen mit seinen erotisch naiven Nachstellungen. Und nicht nur das, der Kriminelle und sexuell Abseitige bringt es noch fertig, den Erzähler seiner Identität wie Souveränität zu berauben, indem er mit diesem zum Verwechseln ähnlich wird. Das führt zu einer wunderbar verwirrenden Ironie, die allerdings durch das „impulsiv“ Abschweifende und Sprunghafte auch häufig das Verständnis des Lesenden zu überfordern droht. Was Robert Walser da 1925 in mikroskopisch kleiner deutscher Kurrentschrift entwarf und erst 1972 veröffentlicht wurde, warnt denn auch die „Leute, die aus Büchern Anhaltspunkte fürs Leben herausheben wollen.“ Es ist ein letzter unerschrockener Versuch Walsers eine grössere Romanerzählung zu entwickeln, bevor ihn der schicksalsvolle Eintritt in die Welt der psychiatrischen Internierung 1929 endgültig verstummen lässt. Dass sein «Räuber»-Roman letztlich scheiterte, verbarg sich diskret im verschwiegenen Mikrogramm. Oder wie es der Erzähler darin einmal formuliert: „Ich bin göttifroh, wenn man mir mit Achtungsbezeugungen nicht das Leben erschwert.“ Und „auch dem Räuber schien es ähnlich zu gehen.“
[ Lieblingszitat ] Wir neigen zur Meinung, die diskreteste Schriftstellerei sei die beste, und hoffen hiebei auf Verständnis.
[ Info ] Walser, Robert: Der Räuber.
Roman.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
Suhrkamp,
ISBN: 3 518 37612 8.
Genre: Roman
Stichworte: Liebe, Aussenseiter
Stil: assoziativ, verschlüsselter Liebesroman
Sprachen (Buchtipp): Deutsch