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[ Buchtipp von ] „Wehe!“ schreien die kleinen Spekulanten der Chicagoer Viehbörse in Brechts «Die heilige Johanna der Schlachthöfe» über eine Fehlspekulation. „Ewig undurchsichtig/Sind die ewigen Gesetze/Der menschlichen Wirtschaft!/Ohne Warnung/Öffnet sich der Vulkan und verwüstet die Gegend!“ Geht in der künstlich aufgeblähten Wirtschaft gar nichts mehr, das sollten wir mittlerweile im Finanzkrisen-Zeitalter wieder wissen, so redet man wie von einer fatalen Naturkatastrophe. Deswegen kommt auch die langmütige Heilsarmistin der „Schwarzen Strohhüte“, Johanna Dark, an ihre Grenzen. Sie erkennt zu spät wie aussichtslos der Kampf gegen kapitalistische Ausbeuter und korrumpierte Frömmigkeit ist. Vor Enttäuschung restlos erschöpft sieht sie auf dem Sterbebett als letzten rettenden Ausweg nur noch die aufständische Gewalt. Doch wird ihre Erkenntnis vom frommen Chorgesang aller andern einfach übertönt. Als Verstorbene kanonisiert man sie dann schnell zur heiligen Wohltätigkeitsmärtyrerin der Schlachthöfe. Aber was Brecht hier 1929 unter dem Eindruck der damaligen Weltwirtschaftskrise und seinem Marxismus-Studium begann, sollte nicht ans Publikum gelangen. Die zunehmend konservativen Staatsbühnen der späten Weimarer Republik lehnten das revolutionäre Agitationsstück rundweg ab. Uraufgeführt wurde es erst drei Jahre nach Brechts Tod 1959 in Hamburg. Mag heute die Klassenkampf-Botschaft noch so verstaubt wirken, die Parodien auf die Theaterklassiker Schiller und Goethe sowie den markigen Börsenbetrieb bleiben dennoch amüsant genug. Oder wie heisst es doch letztlich so schön bei den Fleischfabrikanten im Stück: „Gegen Krisen kann keiner was!“ Auch kein Amüsiertheater.
[ Lieblingszitat ] Betrachten Sie doch einmal den Dienst am Nächsten einfach als Dienst am Kunden! [Johanna Dark zu Mauler]
[ Info ] Brecht, Bertolt: Die heilige Johanna der Schlachthöfe.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
Suhrkamp,
ISBN: 978 3 518 10113 7.
Genre: Theaterstück
Stichworte: Wirtschaft, Spekulation, Religion, Moral, Armut
Stil: ironisch, pathetisch
Sprachen (Buchtipp): Deutsch