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Persönliche Erinnerungen an Jeanne d'Arc

Twain, Mark

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[ Buchtipp von ] Es gibt diese Merkwürdigkeit bei Spielen, wie der französische Historiker Philippe Ariès (1914–1984) in seiner «Geschichte der Kindheit» über die verschiedensten Jahrhunderte hinweg beobachtet hat: da spielen allen Ernstes zunächst vornehme Erwachsene Blindekuh, Verstecken oder Sackhüpfen, bis sie das modische Interesse daran verlieren und die Vergnügungen allmählich zu reinen Kinder- und Jugendspielen werden. Etwas Ähnliches gibt es auch in der Literatur. Etwa bei Mark Twains Fortsetzungsroman «Persönliche Erinnerungen an Jeanne d’Arc» (1896). Der Autor hielt diese fiktiven Aufzeichnungen aus dem Jahr 1492 eines Jugendgespielen und Sekretärs der analphabetischen Jungfrau von Orleans (ca. 1411–1431) wie später auch ihres Inquisitionsgerichts in Rouen für sein bestes Werk. Doch mehr als ein Jahrhundert nach seinem Erscheinen, wirkt Twains langatmig pathetische Erwachsenen-Erzählung eher wie ein unbedarft anachronistisch und spannend dahergeflunkertes Jugendbuch. Makellos, wahrheitsliebend, fromm und selbstlos saniert „das kriegerische Wundermädchen“ die „bankrotte Firma Frankreich“. Ob „Löwen-“ oder „Eisenherz“, geradezu in Wild West Manier vollführt sie da in kürzester Zeit die unglaublichsten Kriegswunder. Manchmal sogar in hinreissender Comic-Sprache: „Wum! – Bäng! – Krrr!“ Bis sie schliesslich in die Fänge ihrer englischen wie kirchlichen Widersacher fällt. „Die schwarzen Gesellen“ und „Söhne des Teufels“ bereiten dann im letzten Roman-Drittel sich und ihr und den Lesenden einen schweren Prozess, um schliesslich mit der Verbrennung der „Hexe“ eine „reiche Welt leer und arm“ zu machen. Denn „Jeanne war ein Gedicht, ein Traum und nicht von dieser Welt.“

[ Lieblingszitat ] "Ich hasse es, jung zu sein!" rief Pierre Morel, seiner hervorstehenden Augen wegen "Libelle" genannt. "Immer muss man warten - und die schönen Kriege, hundert Jahre lang, sie vergehen, ohne dass man jemals mitmachen darf. Wenn ich doch bloss jetzt schon Soldat sein könnte!"

[ Info ] Twain, Mark: Persönliche Erinnerungen an Jeanne d'Arc. (Sprache d. Buchs: Deutsch) dtv,


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Genre: Roman
Stichworte: Inquisition, Hinrichtung, 100-jähriger Krieg
Stil: amüsant, spannend, unbedarft
Empfohlen für: Jugendliche
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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