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[ Buchtipp von ] Ein tolles Bilderbuch, auch noch einige Wochen nach Ostern: An einem kalten Wintertag liest Hase Bastian die Zeitung - „und er liest doch nicht, denn er kennt alle Geschichten längst auswendig.“ Da hat er plötzlich einen Geistesblitz - eine so gute Idee, dass seine Ohren ganz warm werden: Die alte Zeitung wird zum Zeichenpapier. Ein Selbstportrait soll es sein. Spiegel und Farbe stehen bereit, Bastian malt hochkonzentriert. Mit dem Ergebnis ist er allerdings nicht sehr zufrieden: Irgendetwas fehlt noch. „Aber was?“ Er starrt in die Luft, er starrt in den Spiegel, er starrt und denkt und denkt und schaut, und dann sagt er: „Der Spiegel ist zu klein, ich passe nicht drauf.“ Tatsächlich, seine Ohren sind zu lang für Spiegel und Blatt! „Dann zeichne ich die Ohren eben, wie ich sie spüre, denkt Bastian und beginnt zu malen.“
Die gemalten Ohren reißt Bastian aus der Zeitung und klebt sie an sein Bild. Schon ganz gut, findet er. Aber rote Ohren wären noch viel schöner! Bastian malt und bastelt wie im Rausch und produziert Portraits mit lila, gelben, blauen, grünen Ohren. Am liebsten hätte Bastian selbst auch so schöne Löffel. Das ist überhaupt die Idee: Bastian näht sich eine rote Ohrenmütze. So geschmückt, läuft er zu seinen Freunden in den Wald. „Wie schön du aussiehst!“, ruft Rose. Als guter Freund schneidert Bastian auch noch bunte Ohrenmützen für die anderen Hasen. „So schön!“, sagt Pip. „Der schönste Hut der Welt“, sagt Rose. Am glücklichsten aber ist Bastian: „Was habt ihr doch für schöne, lange Ohren.“ „Ja“, sagen die Freunde. „Und du auch.“
„Zwei lange, lange Ohren oder die Geschichte von Bastian Hase“ ist das erste Bilderbuch der niederländischen Künstlerin und Autorin Erna Kuik, einer studierten Grafikerin, die bereits den Greta-und-Adri-Pieck-Preis für junge Künstler gewonnen hat. Heute ist sie Kunstlehrerin für Kinder. Es ist eine einfache kleine Geschichte mit großem Inhalt. Auf kindgerechte Weise legt Kiuk offen, wie Kreativität funktioniert: Aus Zufall entsteht eine einfache Idee, daraus eine zweite und eine dritte. Mit jedem Schritt wird das Produkt verändert, verbessert und verfeinert, bis der Künstler irgendwann mit seinem Werk zufrieden ist. Oder sich etwas völlig anderes daraus ergeben hat. Große, energiegeladene Farbflächen in gelb, orange und grün bilden in diesem Buch den Hintergrund für Zeichnung, Druck und Collage - so anregend und schön, dass man sie immer wieder anschauen möchte.
Kreativ ist auch die äußere Gestaltung des Buches: Querformat trotz langer Hasenohren - da passen die Figuren natürlich nur selten ganz aufs Papier. Wie jeder wahre Künstler nimmt Bastian seine Arbeit sehr ernst - über seinem Schaffen vergisst er die Welt um sich herum. Wie schön, dass seine eigenwilligen Werke beim Hasenpublikum auf so große Anerkennung stoßen! So wird dank einer alten Zeitung aus gewöhnlichen und mitunter lästigen Hasenohren etwas Besonderes. Ein Buch, das zum „Kreativsein“ animiert.
[ Info ] Kuik, Erna: Zwei lange, lange Ohren.
oder Die Geschichte von Bastian Hase.
(Sprache d. Buchs: Deutsch (Orig. Niederländisch))
Atlantis, Orell Füssli,
2008
.
ISBN: 978-3715205533.
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