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"Etwas komplett Neues": die Europäischen Literaturtage

"Etwas komplett Neues": die Europäischen Literaturtage

 

[ 15.10.2009 ]

"Ein verwunschenes Schloss in der Südsteiermark. Von der Bundesstraße aus ahnt man nicht, welches Juwel sich da hinter einem Gehöft verbirgt: Hainfeld bei Feldbach, das größte Wasserschloss der Steiermark, ehemals Sitz des bedeutenden Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall (1774–1856). Ein symbolischer Ort, um Europäische Literaturtage abzuhalten." So war es vor wenigen Tagen in der österreichischen Tageszeitung Die Presse zu lesen.

Genau hier, im malerischen Ambiente dieses Schlosses im Süden Österreichs, fand als Auftakt der enormen Geschäftigkeit auf der Frankfurter Buchmesse ein Stelldichein im etwas intimeren Rahmen statt. Von 9. bis 11. Oktober trafen sich AutorInnen, ÜbersetzerInnen, LiteraturwissenschaftlerInnen und weitere AkteurInnen aus verschiedenen Bereichen des Kulturbetriebs in Europa, Israel und Ägypten, um gemeinsam über zentrale Fragen einer "europäischen Literatur" zu diskutieren.

Eröffnet wurden die Literaturtage von Harald Hartung, dem Bereichsleiter "Politik der Sprachenvielfalt", und von Walter Grond, dem Direktor von Readme.cc. "Den Europäischen Literaturtagen ist es gelungen, Vertreter der Literaturbranche und Beamte des Literaturbetriebs zu einem konstruktiven Gespräch anzuregen", bilanzierte Hartung im Anschluss. "Sowohl die Diskussionen als auch die Lesungen waren getragen von einem hohen Maß an Authentizität und ermöglichten, unter anderem Dank der verschiedenen Nationalitäten, die Literatur aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln kennenzulernen."

"Was ich auf Hainfeld beobachten konnte, war etwas komplett Neues", erklärte Literaturexpertin Silke Behl auf Radio Bremen. "Wir haben in vier oder fünf Sprachen gesprochen über die drei Tage. Ich war wirklich sehr überrascht, dass fast alle Autoren deutsch sprachen - und nicht nur deutsch, es wurde italienisch gesprochen, französisch, englisch, alle Sprachen, die man sich im europäischen Raum vorstellen kann. Die jungen Leute sprechen vier oder fünf Sprachen, das ist für sie das Normalste der Welt."

Diese Vielstimmigkeit und Vielfalt wurde durch eine Reihe von Lesungen im Schlosssaal beeindruckend demonstriert: Im 20-Minuten-Takt lasen AutorInnen aus Italien, Deutschland, England, Österreich, Slowenien, Ungarn, Frankreich, Tschechien, Dänemark, Kroatien und Schweden in der Sprache ihres jeweiligen Landes. Über Vorträge von Mathias Enard ("Europa - so schön wie eine Waffe") oder Jürgen Ritte ("Gibt es eine Europäische Literatur?") wurde ebenso angeregt diskutiert wie über das aktuelle Thema E-Book, das Rüdiger Wischenbart in seinem Vortrag "Wird das Internet 2020 das Buch ersetzen?" aufgriff.
(Sämtliche Vorträge sind nun auch auf hainfeld.readme.cc einsehbar.)

Zusätzlich gab es in der besinnlichen Atmosphäre der Schlosskapelle eine Performance der Singenden Eisen mit der kasachisch-türkischen Sängerin Saadet Türköz sowie Konzerte von Richard Dorfmeister und Rupert Huber alias Tosca und dem Claus-Beck-Nielsen Memorial zu hören, während in einer "Schmankerlstraße" Spezialitäten aus der Südoststeiermark verkostet werden konnten.

Readme.cc und Blütenlese Hainfeld sind als Organisatoren sehr erfreut über das viele positive Echo auf die ersten Europäischen Literaturtage und sehen sich bestärkt in ihrer Absicht, dieses einzigartige Stelldichein nächstes Jahr zu wiederholen.


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