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Diskussionen sind von einem Moderator initiierte Auseinandersetzungen zu Themen, die mit dem Lesen, mit Büchern, Autoren, alten und neuen Medien zu tun haben.
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Niederösterreich im Lesefieber: Wer liest, gewinnt!
[ Diskussion geführt von Wolfgang Sobotka ]
aus St. Pölten, Österreich
[ 09.11.10 ] Zeit Punkt Lesen begibt sich auf die Suche nach der Lieblingslektüre der NiederösterreicherInnen und möchte wissen, was Ihr Lieblingsbuch zum Lieblingsbuch macht? Die schönste Liebesgeschichte, ein Romanklassiker oder gar eine Geschichte aus der Kindheit? Während des ganzen Monats sucht Zeit Punkt Lesen nach dem beliebtesten Buch der NiederösterreicherInnen. Mitmachen ist einfach: ... weiter lesen
[ 12.05.10 ] An den diesjährigen Solothurner Literaturtagen (14. - 16. Mai 2010) ist auch von readme.cc die Rede. Unter der Überschrift NetzKritik: Literaturkritik im Internet werden Fragen zu einem neuen Phänomen in die Diskussion geworfen. Die Organisatoren schreiben: "Das Internet scheint für das Kritikergeschäft wie geschaffen: Die Reaktionszeiten sind rasch, die Kommunikation ist ... weiter lesen
[ 31.12.09 ] Jeweils zum Jahresbeginn findet eine grosse kulturelle Umverteilung statt, dann nämlich, wenn per 1. Januar die kommerziellen Schutzrechte der Enkel an den kreativen Werken ihrer Ahnen verfallen. Von diesem Tag an dürfen diese Werke von jedermann bearbeitet, kopiert, verändert, gesampelt und neu zusammengesetzt werden, sie sind nicht mehr Privateigentum, sondern Allgemeingut, Public ... weiter lesen
[ 17.12.09 ] Gute Nachrichten für alle Onleiher und Digitalleser. Es ist wie Weihnachten, nur vorgezogen auf Mitte oder sogar Anfang Dezember: Die Gutscheine gibt's jetzt, die Geschenke irgendwann später. Was man dann eigentlich wirklich bekommen hat, sieht man erst, wenn die Zeit dafür reif ist. Und das kann in den beiden vorliegenden Fällen wohl noch ein wenig dauern. Aber die Versprechen sind nun ... weiter lesen
[ 10.12.09 ] Wenn alles Neue des Teufels ist, dann muss technischer Fortschritt mindestens ein SS-Trupp sein. Eine einfache Rechnung, aus dem Einmaleins des Kulturpessimismus in Sekundenbruchteilen abzuleiten und jedem absolut einsichtig, der schon angesichts eines mäßig gebrühten Frühstückskaffees mit einem locker aus der Hüfte geschossenen Hitler-Vergleich zur Hand ist. Eine ähnlich einfache ... weiter lesen
[ 03.12.09 ] Das "Medium der Woche" kommt aktuell aus dem ZYX Music Verlag: "Mit 'Jazzy Christmas' können Sie klassische Weihnachtslieder in ihrer Jazz-Variante genießen." So ist es im Onleihe-Blog zu lesen, dessen Empfehlungen immer topaktuell sind und genau zum jeweiligen Zeitgeist passen. Vor ein paar Wochen war etwa Nobelpreisträgerin Herta Müller mit "Atemschaukel" ... weiter lesen
[ 26.11.09 ] Erst kämpft man noch durch schweren Seegang auf den Weltmeeren - und plötzlich schippert man nur durch ruhiges Binnengewässer. So geht es aktuell den europäischen AutorInnenverbänden. Denn die Wogen um das Google Book Settlement haben sich ziemlich geglättet, nachdem Google mitsamt seinen amerikanischen Verhandlungspartnern vor knapp zwei Wochen eine revidierte Fassung des ... weiter lesen
[ 19.11.09 ] Ab sofort gibt es Readme.cc nicht mehr ausschließlich im Netz und auf Computermonitoren, sondern auch auf Papier gedruckt, von rechts nach links zu lesen. Möglich gemacht wird diese Neuerung durch das Ägyptisch-Deutsche Kulturzentrum in Kairo (ÄDK), eine gemeinnützige Organisation für Bildung und Kultur, die sich, unterstützt unter anderen vom Goethe-Institut Ägypten und dem ... weiter lesen
[ 12.11.09 ] Rund 500 Verlage nahmen an der Buch Wien 08 teil, einer Buchmesse, die im November 2008 zum ersten Mal stattfand und den Anspruch erhebt, Wien zu einer Drehscheibe des Buchmarktes zwischen Ost und West zu machen. Ob es eine Erfolgsgeschichte wird, wird vielleicht schon ihre Neuauflage zeigen, die vom 12. bis zum 15. November 2009 stattfindet. An dieser internationalen Buchmesse mit ... weiter lesen
[ 05.11.09 ] Die hebräische Übersetzung der Gedichtsammlung "Jughrafiya Badila" ("Alternative Geografie", 2006) der ägyptischen Lyrikerin Iman Mersal wurde in Kairo zu einem regelrechten literarischen Ereignis. Die Tageszeitung Al-Masri as-Youm brachte auf ihren Kulturseiten einen Aufmacher über die hebräische Fassung des Buches, geschrieben vom Israelkorrespondenten des ... weiter lesen
[ 29.10.09 ] Dass die Kontroversen um den Ehrengast China auf der Frankfurter Buchmesse alles andere überstrahlt hätten, stimmt. Zumindest auf den ersten oberflächlichen Blick. Tatsächlich häuften sich gerade zur Buchmessenzeit natürlich auch die Nachrichten über ein hassgeliebtes Dauerthema der Literaturwelt: über E-Books. Speziell die neuen elektronischen Lesegeräte scheinen diesen Herbst ... weiter lesen
[ 22.10.09 ] Eigentlich war es eine überaus willkommene Abwechslung. Bei der vor einigen Tagen zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse wurde vor lauter Diskussionen über den Ehrengast China , dessen offizielle Delegation hier, die Dissidenten da, über Ein- und Ausladungen von Gästen oder kurzfristige Absagen von eigentlich nie wirklich zugesagten Redebeiträgen fast vergessen, über E-Books, Google ... weiter lesen
[ 15.10.09 ] "Ein verwunschenes Schloss in der Südsteiermark. Von der Bundesstraße aus ahnt man nicht, welches Juwel sich da hinter einem Gehöft verbirgt: Hainfeld bei Feldbach, das größte Wasserschloss der Steiermark, ehemals Sitz des bedeutenden Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall (1774–1856). Ein symbolischer Ort, um Europäische Literaturtage abzuhalten." So war es vor wenigen ... weiter lesen
[ 08.10.09 ] Bei den vom 9. bis zum 11. Oktober stattfindenden Europäischen Literaturtagen 09 Schloss Hainfeld im Süden Österreichs werden neben Literatur aus zahlreichen europäischen Ländern, neben musikalischen und multimedialen Performances, Vorträgen, einer steirischen "Schmankerlstraße", einem Kinderprogramm... (alle Details sind auf hainfeld.readme.cc zu finden) auch zwei neue ... weiter lesen
[ 01.10.09 ] Im Jahr 1980 beschloss Aaron Lansky, ein damals 23-jähriger jüdischer Student aus den USA, eine Mission zu übernehmen, die vorher niemand in Angriff genommen hatte: die Rettung verwaister jiddischer Bücher. Jene Sprache, die im späten 19. Jahrhundert noch von drei Vierteln des jüdischen Volkes gesprochen wurde, war hundert Jahre später beinahe vergessen. Wertvolle Bücher, die von ... weiter lesen
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[ 16.04.08 - 10:01 ] [ Kommentar von Manfred Lagler-Regall ] Die neuen Medien fordern uns und geben uns neue Aufgaben. Neue Medien bieten neue Arbeitsaufgaben, daher sollen wir diese auch nutzen, denke ich. Es besteht aber auch die Gefahr, daß diese neuen Medien wie Internet und andere Digitalen Medien uns auch irgendwo überfordern, so daß das Humane, Moralische, Ethische, Ästhetische verloren oder untergeht.
[ 27.02.08 - 10:27 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Die Inflation der Bildung
Dieter Reicher
30. 12. 1997
Wer kennt sie nicht, die Jungakademiker, die sich gar nicht akademisch ihr Brot verdienen müssen und vielleicht als Taxifahrer oder als Zeitungsausträger ein karges Dasein fristen. Es gab einmal Zeiten - Ältere als ich werden sich vielleicht noch daran erinnern - als es schon reichte ausgebildeter Handelsschüler zu sein, um es damit gar bis zum Filialleiter einer Bank zu schaffen. Es bedurfte keine Matura und schon gar kein Studium dafür. Irgendwann einmal wurde die geforderte Latte an benötigter Bildung weiter nach oben verschoben. Er reichte nun nicht mehr aus, Handelsschüler zu sein, um Filialleiter zu werden, sondern man mußte schon die HAK abgeschlossen haben.
Ich kenne heute BWL - Studenten, die froh wären, wenn sie einen Job - nicht als Filialleiter - sondern als Schalterbeamter bekommen würden. Nichts gegen Schalterbeamte, ganz im Gegenteil, ich habe hohen Respekt vor ihnen, nur glaube ich, daß kein BWL - Studium dafür nötig wäre. Bei der Polizei, um ein weiteres Beispiel zu nennen, ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Immer mehr fertige Juristen strömen in die Polizeischule, weil sie als Advokaten, Anwälte, Richter etc. nicht unter kommen können. Der Herr Magister regelt dann den Verkehr. Die Matura ist bei Polizeischülern sowieso schon der übliche Standard. Diese Auflistung an Beispielen ließe sich noch fortsetzen. Ist also unsere Bildung heute nichts mehr wert?
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[ 22.02.08 - 12:39 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Wenn Kultur als Technokultur die Rahmenbedingungen der conditia humana abschaffen will, dann ist sie ein Auslaufmodell"
Elisabeth List im Gespräch mit Franz Niegelhell
30. 12. 1997
zum Thema: Fr. Prof. List, in Deutschland wird zur Zeit sehr viel über Bildung gesprochen, wobei es sich meiner Ansicht nach um eine Scheindiskussion handelt. Es geht nämlich vor allem ums Geld, während eine echte Bildungsdiskussion beim technologischen Wandel ansetzen müßte; bei der Frage nach dem Internet und den Fähigkeiten, die es notwendig macht. Ich denke da etwa an kombinatorisches Denken..
Elisabeth List: Intelligenz im Umgang mit den Neuen Medien wird zunehmend bedeuten, hochgradige Selektionsfähigkeiten zu haben. Man muß unterscheiden können, was relevant und was irrelevant ist. Darüberhinaus gibt es aber noch weit komplexere Fragen zu klären; etwa die, was der aktuelle technologische Wandel für das Subjekt bedeutet.
Dazu muß man sich einmal klar darüber sein, daß Technik nicht das Andere der Kultur ist, sondern daß sie vielmehr einen zutiefst anthropomorphen Charakter hat. Schon Ernst Mach hat im Handwerk das Urbild der Technik gesehen, was auch heißt, daß Technik und Tradition zusammengehen. Kultur wiederum besteht darin, daß auf bestimmte Weise Traditionen vermittelt werden. Durch die Neuen Technologien wird dieser Zusammenhang nun verändert: Der Bildungsbegriff war praktisch seit der Antike an ein bestimmtes Bild vom Subjekt gebunden; das heißt, gebildet war der, der bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten und Vorstellungen verinnerlicht hat und sie weitergeben, repräsentieren kann. Dieses Moment der Verinnerlichung, durch welches das Wissen, die Tradition gewissermaßen zum Teil des Individuums wird, scheint mir das Kernmoment im traditionellen Bildungsgedanken zu sein. Durch den Prozeß der Technisierung wird Wissen zunehmend "exteriorisiert", das heißt, in subjektunabhängigen Datenträgern objektiviert, und das Subjekt als Wissensträger wird marginalisiert.
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[ 20.02.08 - 07:18 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Wenn eine neue Informationstechnologie implementiert wird, glauben wir schon, daß sich auch ein neuer Bildungsbegriff etablieren muß"
Konrad Paul Liessmann im Gespräch
30. 12. 1997
zum Thema: Hr. Prof. Liessmann, was heute als Bildungsdiskussion bezeichnet wird, ist meist nicht mehr als eine aus dem Finanzbereich ausgelagerte Budgetdebatte. Dabei gebe es doch reichlich viel zu besprechen: Sollte eine echte Bildungsdiskussion nicht bei der Frage ansetzen, ob sich durch die Neuen Medien das, was wir Wissen nennen, von seinem Wesen her essentiell verändert hat?
Konrad Paul Liessmann: Hinsichtlich des ersten Punkts gebe ich Ihnen recht: Wir haben de facto keine Bildungsdiskussion, sondern reden über budgetäre Fragen, über Auslagerungs- und Technologiefragen. Oder, um in diesem Jargon zu bleiben: Wir haben eine Hardware-, keine Software-Diskussion. Wir wollen zwar, daß alle Klassenzimmer und Universitäten mit Computer ausgestattet sind und über einen Internet-Anschluß verfügen; aber was über diese Maschinen und Leitungen transportiert werden sollte, was von dem Transportierten den Anspruch haben kann, Information, Wissen und Bildung zu sein - da mangelt es tatsächlich an einer intensiven Diskussion! Allzu oft wird der Fehler gemacht, die drei eben genannten Begriffe miteinander zu identifizieren, und wenn dann eine neue Informationstechnologie in die Kultur implementiert wird, glauben wir schon, daß sich auch ein neuer Bildungsbegriff etablieren muß. Einen solchen Automatismus gibt es jedoch nicht. Stattdessen gilt es nach den Inhalten zu fragen, nach den Selektionskriterien, nach der Modellvorstellung, d.h. danach, zu welchen Zwecken jemand etwas können und wissen sollte. Wir erleben zur Zeit wieder einmal, was wir schon einige Male erlebt haben: Die Verwechslung von Zwecken und Mittel. Wir hoffen darauf, daß die Mittel als solche ihre Ziele schon mitführen werden.
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[ 05.02.08 - 13:41 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Bildung als Domestikation? Bildung als Provokation?
Klaus Zeyringer
30. 12. 1997
Schon vor einigen Jahren demonstrierten Studierende in Frankreich für eine bessere Dotierung der Hohen Schulen, also für mehr Geld; die Salon-Pfeiler im Bildungs-Bau der vorgeblichen Grande Nation hat aber kaum eine(r) in Frage gestellt. Und auch die kürzlichen utilitaristischen Märsche aus deutschen Universitäten auf das Stadtpflaster zielen auf ein Finanzpflaster. Bildung scheint somit den jüngsten Weg alles Irdischen zu gehen und als Marktfrage (ab)gehandelt zu werden. Womit im populistisch-ultraliberalen Schwitzkasten, der einzig die sichtbaren Tröpflein kurzfristiger Nützlichkeiten gelten läßt, nicht nur manche Wissenschaftszweige stecken, sondern alles Geistige und Bildung insgesamt.
Eine derart ausgerufene "Bildungsdiskussion" hat Waren-Wert, in dessen Licht Bildung als Domestikations-Vorstellung erscheint (die Frage ist dann nicht, wie neues Wissen und seine Folgen aussehen mögen, sondern simpel: Bildung wozu?). Wenn im wahren Wert auch ein Blitzlicht der Provokation erscheinen könnte, wäre mir (uns?) wohler.
Einen Kultur-Widerstand der Provokation - im Sinne der Widerstands-Metapher im Le Monde Diplomatique - stelle ich mir als eine mögliche Grundausstattung einer erstrebenswerten Bildung vor. Es sei denn, wir wollten alle die globalisiert kostümierten Metaphern fressen; es sein denn, wir sollten die Phrasen-Vollmündigkeit und nicht die Utopie "Mündigkeit" anstreben. Bildung könnte, stelle ich mir vor, das Sprechen ermöglichen helfen, in einem gesellschaftichen Kontext, der von einer Diskurs-Markt-Macht mit einem "Dem-kommen-wir-nicht-aus" -Holzhammer regiert ist.
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[ 03.02.08 - 18:41 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Bildung muß man praktizieren"
ein E-Mail-Diskurs mit Herbert Hrachovec
30. 12. 1997
zum Thema: Seit Jahren ist die Bildung im deutschsprachigen Raum ein Dauerthema. Großzügig wird dabei von einer "Bildungsdiskussion" gesprochen, was doch reichlich übertrieben scheint: Letztlich geht es doch nur um Kostenfragen - mithin um eine ausgelagerte Budgetdebatte! Tatsächlich sollte eine Bildungsdiskussion aber weit komplexer sein. Schließlich geht es bei dem Phänomen des Lehrens und Lernens um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, was wie gewußt werden sollte. Eine echte Bildungsdiskussion müßte deshalb beim Wissen ansetzen, zumal sich durch die Neuen Medien eine wahre Revolution abzeichnet: Bietet das digitale Zeitalter nicht einen neuen Wissenstypus, der weniger durch das Auffinden oder Bilden neuer Denk-Kategorien gekennzeichnet ist als durch das Rekombinieren schon bestehender? Dringt nicht das Mediengeschäft und dessen Logik in die Welt der Forschung ein?
Herbert Hrachovec: Ich sehe einen instruktiven Widerspruch im letzten Teil der Frage. Auf der einen Seite ist von einem "neuen Wissenstypus" die Rede, auf der anderen davon, daß es sich dabei um die Rekombination bestehender Kategorien handelt. Das Neue wäre darin zu sehen, daß es immer wieder um das Alte geht. Beide Motive sind sicherlich berechtigt: der Hinweis auf den Bruch, den die Neuen Medien verursachen und ebenso die Beobachtung, daß er in gewisser Weise einen Rückfall darstellt. Aber hinsichtlich des Themas "Bildung" würde ich die Akzente etwas anders setzen.
Traditionelles Wissen kann in den neuen Medien gleichsam neu verpackt werden - bisweilen in hervorragender Qualität. Die TV-Reihe "Universum" oder die Zugänglichkeit von Universitätsbibliotheken im WWW sind Beispiele dafür. Das bleibt diesseits der Frage vom "neuen Wissenstypus" (Es ist natürlich völlig legitim, sich aus Effizienzgründen der neuesten Technologien zu bedienen.) Interessant wird es darüber hinaus an der Stelle, an der die Neuigkeit selbst zum Thema wird. Wenn also nicht der Wissensbestand konstant gehalten wird, sondern die Bedeutung von "Wissen" im neuen Kontext zur Disposition steht.
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[ 30.01.08 - 08:38 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Bildungs-Gewalt oder ein bißchen Liebe für Gott Kupfer
Harald A. Friedl
30. 12. 1997
"Gerber? Stören Sie nicht!" Kurt will sofort den Irrtum berichtigen: "Herr Professor, ich -" "Werden Sie sofort ruhig sein? Sie haben nicht zu reden, wenn Sie nicht gefragt sind! Verstanden?" "Aber Herr Professor, es ist nicht wahr, daß -" "Was sagen Sie da? Es ist nicht wahr? Das ist denn der Gipfel! Eine Feder!" Und Kupfer schreibt ins Klassenbuch: "Gerber stört durch Schwätzen den Unterricht und gibt trotz Verwarnung freche Antworten." Dann sagt er: "So. Jetzt können Sie sich setzen, Gerber." Und, zur Tafel gewendet: "Wir gehen weiter."
Wie ein Alptraum spukte Torbergs Professor Kupfer als Schreckgespenst eines verkappten Tyrannen durch vergangene Schülergenerationen. Heute sind die Saurier kinderfressender Seelenmörder in die Pension entstorben. Die nach sauren Patschensackerln riechenden Humanisten-Schmieden mutierten zu vernetzten High-Tech-Zentren. Was sich in überraschend fortschrittsresistenter Manier auf irreführende Weise "Schule" nennt - wie zur guten alten Schüler-Gerber-Zeit, ist längst Forum einer interaktiven Begegnung zwischen wißbegierigen Schülern und turbo-motivierten Pädagogen. Zukunftsfreundliche, Schülerseelen-kompatible Gesetze tragen zu einer Entfaltung dieses Horts der geistigen Reifung bei, der fernab der blutigen Arenen heimtückischer Pennäler-Schlachtungen blüht.
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[ 28.01.08 - 10:01 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Ich weiß nicht, was ich weiß! oder: Die Griechen sind schon lange tot
Armin Walter
30. 12. 1997
"Die Griechen sind die Totengräber des Humanismus" pflegte mir mein Griechischlehrer einzubläuen und verwies dabei stets mit leidenschaftlicher Grimmigkeit auf die kulturelle Diskrepanz zwischen den steinernen Zeugen jenes Landes, das so gerne als Wiege der Europäischen Kultur hochgejubelt wird, und dessen Bevölkerung, die heute unter den Schlußlichtern der Europäischen Unionisten zu finden sind. Schuldig geblieben war mir mein Griechischlehrer allerdings die Erklärung, warum die modernen Griechen ihre wirtschaftliche Aufholjagd im europäischen Wettlauf um Wohlstand und sozialen Frieden ausgerechnet durch präzisere Kenntnisse der Ilias beschleunigen könnten.
Denn im Verhältnis zu dem, was heute im europäischen Wirtschaftsraum zählt, sind Troja und Akropolis nichts als tote Steine.
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[ 21.01.08 - 10:24 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Im Prinzip brauchen wir wieder eine 68er-Revolution"
Roman Wunder im Interview
30. 12. 1997
zum Thema: Herr Prof.Wunder, der Deutsche Bundespräsident Roman Herzog forderte kürzlich einen "Aufbruch in der Bildungspolitik". Welche Kernprobleme sehen Sie als langjähriger Professor für Altphilologie - und damit als Vertreter eines klassischen Bildungsideals - für die Zukunft der Bildung?
Roman Wunder: Heute wird häufig eine bessere "Bildung" verlangt, damit aber "Ausbildung" gemeint. Dies kann zwar auch ein Bestandteil der Bildung sein, ist aber nicht die eigentliche Bildung. Insofern stehen wir heute - und das weltweit - vor der Liquidierung unseres Bildungssystems - oder besser: der Bildung überhaupt, denn heute herrscht der Kampf der Wirtschaft gegen die Geisteswissenschaft. Und das wäre nicht notwendig, denn beides sollte sich gegenseitig ergänzen.
z.T.: Was verstehen Sie im Gegensatz zu Ausbildung unter Bildung?
R.W.: Früher hat man für diese seinerzeit von den USA her bekannten Erscheinungen den Ausdruck des "Fachidioten" geprägt und meinte den Menschentyp mit einer hochqualifizierten Fachausbildung, der weder nach links noch nach rechts schaut.
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[ 16.01.08 - 09:52 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Brauchen wir die Universität noch?
Ein Streitgespräch zwischen Peter Glotz und Dieter Simon, moderiert von Krzysztof Michalski
30. 12. 1997
Krzysztof Michalski (Herausgeber der Zeitschrift "Transit. Europäische Revue"): Herr Simon, Sie sind seit kurzem Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; als Vorsitzender des Wissenschaftsrats der Bundesrepublik Deutschland haben Sie vor einigen Jahren mit Ihrer Bemerkung, die Universitäten seien "im Kern verrottet", einiges Aufsehen erregt. Herr Glotz, Sie sind Gründungsrektor der Universität Erfurt; Ihr letztes Buch nimmt Simons Diktum schon im Titel auf (vergl. Seitenrand). Wir haben Sie beide eingeladen, heute über die Frage "Brauchen wir die Universität noch?" zu diskutieren.
Dieter Simon: Zu dieser Frage habe ich sieben Thesen mitgebracht.
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