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Diskussionen sind von einem Moderator initiierte Auseinandersetzungen zu Themen, die mit dem Lesen, mit Büchern, Autoren, alten und neuen Medien zu tun haben.
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Die aktuellen News
[ 24.09.09 ] Mathias Enard, Lavinia Greenlaw, Finn-Ole Heinrich, Jaroslav Rudiš, Ferdinand Schmatz und viele mehr lesen und diskutieren auf Initiative von Readme.cc bei den ersten Europäischen Literaturtagen 09 im historischen Ambiente von Schloss Hainfeld in der Steiermark. Das komplette Programm ist auf hainfeld.readme.cc einsehbar. Am Freitag, den 09. Oktober, werden die Literaturtage durch die ... weiter lesen
[ 17.09.09 ] Wer das Glück hatte, mit seinem Mauszeiger zufällig auf einen der eher abgelegenen Bereiche der Internetpräsenzen großer italienischer Tageszeitungen zu gelangen (auf "Kultur" etwa oder auf "Technik") und dort auch noch zu klicken, könnte in den letzten Wochen erfahren haben, dass sich die Associazione italiana editori (der Verband der italienischen Verlage, kurz AIE) ... weiter lesen
[ 10.09.09 ] Ein klarer Fall von Milchmädchenrechnung: Immateriell ist gleich ökologisch, also ist ein E-Buch grüner als ein gedrucktes Buch. Ob diese einfache Formel im Detail wirklich gilt, müsste die Recyclemathematik erst noch herausfinden. Denn während man beim E-Buch selbst natürlich jede Menge Papier oder Energie für den Transport einspart, muss zunächst einmal ein elektronisches Lesegerät ... weiter lesen
[ 03.09.09 ] Es ist immer wieder überraschend, was für große Dynamiken man gerade durch strikt gesetzte Beschränkungen entwickeln kann. Bei 140 Zeichen ist im vorliegenden Fall die Grenze gesetzt, gerne weniger, niemals mehr. Und doch gibt es über diese wenigen Zeichen immer noch mehr zu hören und zu lesen. Twitter.com ist endgültig reif für die Bibliothek. Von Twitter-Lesungen der alten Schule ... weiter lesen
[ 27.08.09 ] Man merkt, dass sich die gemächliche Zeit des Jahres langsam, aber sicher ihrem Ende zuneigt. Die Aufmerksamkeitsmaschinerie spuckt wieder Neuigkeiten über Neuigkeiten für den kommenden Bücherherbst aus. Daher kommt hier der kleine Literaturticker der Woche mit einigen der wichtigsten Meldungen. Für einiges Aufsehen sorgte eine gemeinsame Ankündigung von Microsoft, Amazon und ... weiter lesen
[ 20.08.09 ] Es war ein Schock für die deutschsprachige Verlagswelt. Am 10. August erklärte der Schweizer Verleger Egon Ammann, er würde die Arbeit mit seinem renommierten Ammann Verlag Mitte 2010 endgültig beenden. Damit geht eine Erfolgsgeschichte im Dienste anspruchsvoller Literatur kurz vor ihrem dreißigjährigen Jubiläum zu Ende. Der Verlag war 1981 von Egon Ammann und Marie-Luise ... weiter lesen
[ 13.08.09 ] Der Countdown läuft. Nur drei Wochen sind noch runterzuzählen, dann ist es soweit: Am 4. September läuft die Frist für das "Opting Out" aus dem Google Book Settlement , also für einen Einspruch von AutorInnen gegen den von Google vorgeschlagenen Verwertungsvertrag, endgültig ab. Wer keinen Einspruch erhebt, nimmt die Vereinbarung automatisch an. Das genaue Vertragswerk ... weiter lesen
[ 06.08.09 ] Zuletzt stapelten sich die Bücher auf jeder verfügbaren Freifläche. Auf dem Sofa, unter dem Couchtisch und natürlich in den langen Regalmetern im Keller eines Einfamilienhauses im Münchener Vorort Lochham. Georg Salzmann hatte dort über Jahrzehnte hinweg all jene Bücher zusammengetragen, die von den Nationalsozialisten kurz nach ihrer Machtergreifung im Jahr 1933 auf schwarze Listen ... weiter lesen
[ 30.07.09 ] Als ich gebeten wurde, diesen Artikel über China als Ehrengast bei der nächsten Frankfurter Buchmesse im Herbst 2009 zu schreiben, war ich skeptisch. Ja, ich war in China, ich war auch in Taiwan, wenn auch jeweils nur für wenige Wochen. Seit drei Jahren studiere ich diese Sprache, dieses Land und diese Kultur - nur um jede Woche mehr zu verstehen, wie wenig wir in Wahrheit wissen. ... weiter lesen
[ 23.07.09 ] Sommerloch ist, wenn es über nichts Aufregenderes zu berichten gibt als den sprichwörtlichen Sack Reis, der irgendwo in China umfällt. Gedächtnisloch ist, wenn der Große Bruder dafür sorgt, dass missliebige Inhalte im Nirwana des Vergessens verschwinden. Das ist Mitte Juli just mit George Orwells Klassiker "1984" passiert. Plötzlich war er weg - und das Sommerloch mit einer ... weiter lesen
[ 09.07.09 ] Die Ereignisse rund um den Hebräischen Buchmonat, der in Israel immer im Juni stattfindet, waren dieses Jahr besonders aufregend. Allerdings steckten ziemlich prosaische Gründe hinter dieser Aufregung. Die allgemeine Karnevalsstimmung, die die Fülle an Veranstaltungen, Vorträgen und Diskussionen mit AutorInnen normalerweise charakterisiert, wurde durch Ereignisse vor den großen ... weiter lesen
[ 02.07.09 ] Es gibt aber auch findige Köpfchen! Während bei den sogenannten Vüchern einige Multimediaforscher noch herumexperimentieren, wie Buch und Video gewinnbringend zusammenpassen könnten, haben andere Erfinder ein brandneues Konzept für das elektronische Lesen entworfen. Nämlich Book2Look , das "Buch zum Ansehen". Was zwar eine attraktive und hübsch designte Möglichkeit für ... weiter lesen
[ 25.06.09 ] Sprichworte sind kleine Alltagshelfer in jeder Lebenslage. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", darf zum Beispiel nonchalant behaupten, wer wieder mal vergessen hat, dem Kollegen oder seiner Liebsten pünktlich zum Geburtstag zu gratulieren. Und so sollen auch hier, während in Klagenfurt das Wettlesen der " Tage der deutschsprachigen Literatur 2009 " bereits in vollem ... weiter lesen
[ 18.06.09 ] "Wir glauben, dass wir jedes Buch vuchen können." So spricht Bradley Inman, ein Unternehmer aus dem Silicon Valley, der sich unter der neuen Wortschöpfung "Vook" eine Firma registrieren ließ. Ein Vook ist grob gesprochen eine Verbindung aus Buch beziehungsweise Text, Video und ein bisschen social Networking. Aus Inmans Gleichung Video + Book = Vook ergibt sich auf ... weiter lesen
[ 11.06.09 ] Nur in gut belüfteten Räumen solle man es benutzen. Schwindel und Halluzinationen könne es hervorrufen, eventuell auch Juckreiz und obendrein eine gewaltige Rotznase. Die Warnhinweise auf dem Beipackzettel des neuen Nostalgiewundermittels für modebewusste LiteraturkonsumentInnen sind gar nicht ohne. Wer schön lesen will, muss leiden, besagt ein Sprichwort, das auch für die neueste ... weiter lesen
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[ 16.04.08 - 10:01 ] [ Kommentar von Manfred Lagler-Regall ] Die neuen Medien fordern uns und geben uns neue Aufgaben. Neue Medien bieten neue Arbeitsaufgaben, daher sollen wir diese auch nutzen, denke ich. Es besteht aber auch die Gefahr, daß diese neuen Medien wie Internet und andere Digitalen Medien uns auch irgendwo überfordern, so daß das Humane, Moralische, Ethische, Ästhetische verloren oder untergeht.
[ 27.02.08 - 10:27 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Die Inflation der Bildung
Dieter Reicher
30. 12. 1997
Wer kennt sie nicht, die Jungakademiker, die sich gar nicht akademisch ihr Brot verdienen müssen und vielleicht als Taxifahrer oder als Zeitungsausträger ein karges Dasein fristen. Es gab einmal Zeiten - Ältere als ich werden sich vielleicht noch daran erinnern - als es schon reichte ausgebildeter Handelsschüler zu sein, um es damit gar bis zum Filialleiter einer Bank zu schaffen. Es bedurfte keine Matura und schon gar kein Studium dafür. Irgendwann einmal wurde die geforderte Latte an benötigter Bildung weiter nach oben verschoben. Er reichte nun nicht mehr aus, Handelsschüler zu sein, um Filialleiter zu werden, sondern man mußte schon die HAK abgeschlossen haben.
Ich kenne heute BWL - Studenten, die froh wären, wenn sie einen Job - nicht als Filialleiter - sondern als Schalterbeamter bekommen würden. Nichts gegen Schalterbeamte, ganz im Gegenteil, ich habe hohen Respekt vor ihnen, nur glaube ich, daß kein BWL - Studium dafür nötig wäre. Bei der Polizei, um ein weiteres Beispiel zu nennen, ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Immer mehr fertige Juristen strömen in die Polizeischule, weil sie als Advokaten, Anwälte, Richter etc. nicht unter kommen können. Der Herr Magister regelt dann den Verkehr. Die Matura ist bei Polizeischülern sowieso schon der übliche Standard. Diese Auflistung an Beispielen ließe sich noch fortsetzen. Ist also unsere Bildung heute nichts mehr wert?
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[ 22.02.08 - 12:39 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Wenn Kultur als Technokultur die Rahmenbedingungen der conditia humana abschaffen will, dann ist sie ein Auslaufmodell"
Elisabeth List im Gespräch mit Franz Niegelhell
30. 12. 1997
zum Thema: Fr. Prof. List, in Deutschland wird zur Zeit sehr viel über Bildung gesprochen, wobei es sich meiner Ansicht nach um eine Scheindiskussion handelt. Es geht nämlich vor allem ums Geld, während eine echte Bildungsdiskussion beim technologischen Wandel ansetzen müßte; bei der Frage nach dem Internet und den Fähigkeiten, die es notwendig macht. Ich denke da etwa an kombinatorisches Denken..
Elisabeth List: Intelligenz im Umgang mit den Neuen Medien wird zunehmend bedeuten, hochgradige Selektionsfähigkeiten zu haben. Man muß unterscheiden können, was relevant und was irrelevant ist. Darüberhinaus gibt es aber noch weit komplexere Fragen zu klären; etwa die, was der aktuelle technologische Wandel für das Subjekt bedeutet.
Dazu muß man sich einmal klar darüber sein, daß Technik nicht das Andere der Kultur ist, sondern daß sie vielmehr einen zutiefst anthropomorphen Charakter hat. Schon Ernst Mach hat im Handwerk das Urbild der Technik gesehen, was auch heißt, daß Technik und Tradition zusammengehen. Kultur wiederum besteht darin, daß auf bestimmte Weise Traditionen vermittelt werden. Durch die Neuen Technologien wird dieser Zusammenhang nun verändert: Der Bildungsbegriff war praktisch seit der Antike an ein bestimmtes Bild vom Subjekt gebunden; das heißt, gebildet war der, der bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten und Vorstellungen verinnerlicht hat und sie weitergeben, repräsentieren kann. Dieses Moment der Verinnerlichung, durch welches das Wissen, die Tradition gewissermaßen zum Teil des Individuums wird, scheint mir das Kernmoment im traditionellen Bildungsgedanken zu sein. Durch den Prozeß der Technisierung wird Wissen zunehmend "exteriorisiert", das heißt, in subjektunabhängigen Datenträgern objektiviert, und das Subjekt als Wissensträger wird marginalisiert.
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[ 20.02.08 - 07:18 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Wenn eine neue Informationstechnologie implementiert wird, glauben wir schon, daß sich auch ein neuer Bildungsbegriff etablieren muß"
Konrad Paul Liessmann im Gespräch
30. 12. 1997
zum Thema: Hr. Prof. Liessmann, was heute als Bildungsdiskussion bezeichnet wird, ist meist nicht mehr als eine aus dem Finanzbereich ausgelagerte Budgetdebatte. Dabei gebe es doch reichlich viel zu besprechen: Sollte eine echte Bildungsdiskussion nicht bei der Frage ansetzen, ob sich durch die Neuen Medien das, was wir Wissen nennen, von seinem Wesen her essentiell verändert hat?
Konrad Paul Liessmann: Hinsichtlich des ersten Punkts gebe ich Ihnen recht: Wir haben de facto keine Bildungsdiskussion, sondern reden über budgetäre Fragen, über Auslagerungs- und Technologiefragen. Oder, um in diesem Jargon zu bleiben: Wir haben eine Hardware-, keine Software-Diskussion. Wir wollen zwar, daß alle Klassenzimmer und Universitäten mit Computer ausgestattet sind und über einen Internet-Anschluß verfügen; aber was über diese Maschinen und Leitungen transportiert werden sollte, was von dem Transportierten den Anspruch haben kann, Information, Wissen und Bildung zu sein - da mangelt es tatsächlich an einer intensiven Diskussion! Allzu oft wird der Fehler gemacht, die drei eben genannten Begriffe miteinander zu identifizieren, und wenn dann eine neue Informationstechnologie in die Kultur implementiert wird, glauben wir schon, daß sich auch ein neuer Bildungsbegriff etablieren muß. Einen solchen Automatismus gibt es jedoch nicht. Stattdessen gilt es nach den Inhalten zu fragen, nach den Selektionskriterien, nach der Modellvorstellung, d.h. danach, zu welchen Zwecken jemand etwas können und wissen sollte. Wir erleben zur Zeit wieder einmal, was wir schon einige Male erlebt haben: Die Verwechslung von Zwecken und Mittel. Wir hoffen darauf, daß die Mittel als solche ihre Ziele schon mitführen werden.
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[ 05.02.08 - 13:41 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Bildung als Domestikation? Bildung als Provokation?
Klaus Zeyringer
30. 12. 1997
Schon vor einigen Jahren demonstrierten Studierende in Frankreich für eine bessere Dotierung der Hohen Schulen, also für mehr Geld; die Salon-Pfeiler im Bildungs-Bau der vorgeblichen Grande Nation hat aber kaum eine(r) in Frage gestellt. Und auch die kürzlichen utilitaristischen Märsche aus deutschen Universitäten auf das Stadtpflaster zielen auf ein Finanzpflaster. Bildung scheint somit den jüngsten Weg alles Irdischen zu gehen und als Marktfrage (ab)gehandelt zu werden. Womit im populistisch-ultraliberalen Schwitzkasten, der einzig die sichtbaren Tröpflein kurzfristiger Nützlichkeiten gelten läßt, nicht nur manche Wissenschaftszweige stecken, sondern alles Geistige und Bildung insgesamt.
Eine derart ausgerufene "Bildungsdiskussion" hat Waren-Wert, in dessen Licht Bildung als Domestikations-Vorstellung erscheint (die Frage ist dann nicht, wie neues Wissen und seine Folgen aussehen mögen, sondern simpel: Bildung wozu?). Wenn im wahren Wert auch ein Blitzlicht der Provokation erscheinen könnte, wäre mir (uns?) wohler.
Einen Kultur-Widerstand der Provokation - im Sinne der Widerstands-Metapher im Le Monde Diplomatique - stelle ich mir als eine mögliche Grundausstattung einer erstrebenswerten Bildung vor. Es sei denn, wir wollten alle die globalisiert kostümierten Metaphern fressen; es sein denn, wir sollten die Phrasen-Vollmündigkeit und nicht die Utopie "Mündigkeit" anstreben. Bildung könnte, stelle ich mir vor, das Sprechen ermöglichen helfen, in einem gesellschaftichen Kontext, der von einer Diskurs-Markt-Macht mit einem "Dem-kommen-wir-nicht-aus" -Holzhammer regiert ist.
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[ 03.02.08 - 18:41 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Bildung muß man praktizieren"
ein E-Mail-Diskurs mit Herbert Hrachovec
30. 12. 1997
zum Thema: Seit Jahren ist die Bildung im deutschsprachigen Raum ein Dauerthema. Großzügig wird dabei von einer "Bildungsdiskussion" gesprochen, was doch reichlich übertrieben scheint: Letztlich geht es doch nur um Kostenfragen - mithin um eine ausgelagerte Budgetdebatte! Tatsächlich sollte eine Bildungsdiskussion aber weit komplexer sein. Schließlich geht es bei dem Phänomen des Lehrens und Lernens um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, was wie gewußt werden sollte. Eine echte Bildungsdiskussion müßte deshalb beim Wissen ansetzen, zumal sich durch die Neuen Medien eine wahre Revolution abzeichnet: Bietet das digitale Zeitalter nicht einen neuen Wissenstypus, der weniger durch das Auffinden oder Bilden neuer Denk-Kategorien gekennzeichnet ist als durch das Rekombinieren schon bestehender? Dringt nicht das Mediengeschäft und dessen Logik in die Welt der Forschung ein?
Herbert Hrachovec: Ich sehe einen instruktiven Widerspruch im letzten Teil der Frage. Auf der einen Seite ist von einem "neuen Wissenstypus" die Rede, auf der anderen davon, daß es sich dabei um die Rekombination bestehender Kategorien handelt. Das Neue wäre darin zu sehen, daß es immer wieder um das Alte geht. Beide Motive sind sicherlich berechtigt: der Hinweis auf den Bruch, den die Neuen Medien verursachen und ebenso die Beobachtung, daß er in gewisser Weise einen Rückfall darstellt. Aber hinsichtlich des Themas "Bildung" würde ich die Akzente etwas anders setzen.
Traditionelles Wissen kann in den neuen Medien gleichsam neu verpackt werden - bisweilen in hervorragender Qualität. Die TV-Reihe "Universum" oder die Zugänglichkeit von Universitätsbibliotheken im WWW sind Beispiele dafür. Das bleibt diesseits der Frage vom "neuen Wissenstypus" (Es ist natürlich völlig legitim, sich aus Effizienzgründen der neuesten Technologien zu bedienen.) Interessant wird es darüber hinaus an der Stelle, an der die Neuigkeit selbst zum Thema wird. Wenn also nicht der Wissensbestand konstant gehalten wird, sondern die Bedeutung von "Wissen" im neuen Kontext zur Disposition steht.
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[ 30.01.08 - 08:38 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Bildungs-Gewalt oder ein bißchen Liebe für Gott Kupfer
Harald A. Friedl
30. 12. 1997
"Gerber? Stören Sie nicht!" Kurt will sofort den Irrtum berichtigen: "Herr Professor, ich -" "Werden Sie sofort ruhig sein? Sie haben nicht zu reden, wenn Sie nicht gefragt sind! Verstanden?" "Aber Herr Professor, es ist nicht wahr, daß -" "Was sagen Sie da? Es ist nicht wahr? Das ist denn der Gipfel! Eine Feder!" Und Kupfer schreibt ins Klassenbuch: "Gerber stört durch Schwätzen den Unterricht und gibt trotz Verwarnung freche Antworten." Dann sagt er: "So. Jetzt können Sie sich setzen, Gerber." Und, zur Tafel gewendet: "Wir gehen weiter."
Wie ein Alptraum spukte Torbergs Professor Kupfer als Schreckgespenst eines verkappten Tyrannen durch vergangene Schülergenerationen. Heute sind die Saurier kinderfressender Seelenmörder in die Pension entstorben. Die nach sauren Patschensackerln riechenden Humanisten-Schmieden mutierten zu vernetzten High-Tech-Zentren. Was sich in überraschend fortschrittsresistenter Manier auf irreführende Weise "Schule" nennt - wie zur guten alten Schüler-Gerber-Zeit, ist längst Forum einer interaktiven Begegnung zwischen wißbegierigen Schülern und turbo-motivierten Pädagogen. Zukunftsfreundliche, Schülerseelen-kompatible Gesetze tragen zu einer Entfaltung dieses Horts der geistigen Reifung bei, der fernab der blutigen Arenen heimtückischer Pennäler-Schlachtungen blüht.
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[ 28.01.08 - 10:01 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Ich weiß nicht, was ich weiß! oder: Die Griechen sind schon lange tot
Armin Walter
30. 12. 1997
"Die Griechen sind die Totengräber des Humanismus" pflegte mir mein Griechischlehrer einzubläuen und verwies dabei stets mit leidenschaftlicher Grimmigkeit auf die kulturelle Diskrepanz zwischen den steinernen Zeugen jenes Landes, das so gerne als Wiege der Europäischen Kultur hochgejubelt wird, und dessen Bevölkerung, die heute unter den Schlußlichtern der Europäischen Unionisten zu finden sind. Schuldig geblieben war mir mein Griechischlehrer allerdings die Erklärung, warum die modernen Griechen ihre wirtschaftliche Aufholjagd im europäischen Wettlauf um Wohlstand und sozialen Frieden ausgerechnet durch präzisere Kenntnisse der Ilias beschleunigen könnten.
Denn im Verhältnis zu dem, was heute im europäischen Wirtschaftsraum zählt, sind Troja und Akropolis nichts als tote Steine.
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[ 21.01.08 - 10:24 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] "Im Prinzip brauchen wir wieder eine 68er-Revolution"
Roman Wunder im Interview
30. 12. 1997
zum Thema: Herr Prof.Wunder, der Deutsche Bundespräsident Roman Herzog forderte kürzlich einen "Aufbruch in der Bildungspolitik". Welche Kernprobleme sehen Sie als langjähriger Professor für Altphilologie - und damit als Vertreter eines klassischen Bildungsideals - für die Zukunft der Bildung?
Roman Wunder: Heute wird häufig eine bessere "Bildung" verlangt, damit aber "Ausbildung" gemeint. Dies kann zwar auch ein Bestandteil der Bildung sein, ist aber nicht die eigentliche Bildung. Insofern stehen wir heute - und das weltweit - vor der Liquidierung unseres Bildungssystems - oder besser: der Bildung überhaupt, denn heute herrscht der Kampf der Wirtschaft gegen die Geisteswissenschaft. Und das wäre nicht notwendig, denn beides sollte sich gegenseitig ergänzen.
z.T.: Was verstehen Sie im Gegensatz zu Ausbildung unter Bildung?
R.W.: Früher hat man für diese seinerzeit von den USA her bekannten Erscheinungen den Ausdruck des "Fachidioten" geprägt und meinte den Menschentyp mit einer hochqualifizierten Fachausbildung, der weder nach links noch nach rechts schaut.
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[ 16.01.08 - 09:52 ] [ Kommentar von Christian Eigner / Michaela Ritter ] Brauchen wir die Universität noch?
Ein Streitgespräch zwischen Peter Glotz und Dieter Simon, moderiert von Krzysztof Michalski
30. 12. 1997
Krzysztof Michalski (Herausgeber der Zeitschrift "Transit. Europäische Revue"): Herr Simon, Sie sind seit kurzem Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; als Vorsitzender des Wissenschaftsrats der Bundesrepublik Deutschland haben Sie vor einigen Jahren mit Ihrer Bemerkung, die Universitäten seien "im Kern verrottet", einiges Aufsehen erregt. Herr Glotz, Sie sind Gründungsrektor der Universität Erfurt; Ihr letztes Buch nimmt Simons Diktum schon im Titel auf (vergl. Seitenrand). Wir haben Sie beide eingeladen, heute über die Frage "Brauchen wir die Universität noch?" zu diskutieren.
Dieter Simon: Zu dieser Frage habe ich sieben Thesen mitgebracht.
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